Autor: Björn Alt
Thema:
"Die Burg und das Schloss von Sötern"
I.
Einleitung
II.
Geschichte der
Burg zu Sötern
III.
Diskussion
über den Standort der ehemaligen
Burg zu Sötern
III.a)
Standort Mannenberg
III.b)
Standort Rothenberg
III.c)
Standort ev. Kirche
V.
Der Südflügel
des Schlosses zu Sötern
VI.
Die Überreste
des Schlosses
Anhang 1
Ausschnitt aus einer Karte von
1826
Anhang 2
Aktueller Kartenausschnitt mit möglichen
Anhang 3
Aktueller Kartenausschnitt von Sötern
Anhang 4
Flurkarte von Sötern
Anhang 5
Aktuelle Fotos vom Südflügel des ehem. Schlosses
Anhang 6
Aktuelle Fotos von dem Hause Korb und des
VII.
Literaturverzeichnis
„Das deutsche Hauptwort “Burg“ scheint nach unserem
Sprachgefühl mit dem Verb “bergen“ verwandt zu sein. Somit deutet dieser
Begriff auf die primäre Aufgabe einer Burg hin, nämlich Menschen und Werte zu
schützen. Doch hat der Begriff “Burg“ eine bei weitem ältere
Bedeutung als man daraus schließen könnte. So begegnet einem das
indogermanische Wort zuerst bei den Griechen, die den Turm “πύργος“
nannten. Dieses Wort übernahmen die Römer als
“burgus“ und bezeichneten damit einen Wachturm.
Als jene etwas später auch in unserer heutigen deutschsprachigen Region
erschienen, übernahmen wir ihren Ausdruck als “Burg“ und bezeichneten damit
einen Wehrbau.
Heutzutage wird mit diesem Ausdruck sehr frei umgegangen, und er wird meist bei
alten Wehrbauten mit einer sichtbaren, architektonischen Geschlossenheit
angewandt.
Darüber hinaus bedienen sich viele mittelalterliche Quellen verschiedener
Bezeichnungen für einen solchen
Wehrbau. Diese Bezeichnungen, welche in zeitgenössischen Quelle für eine Burg
verwendet werden, lauten
lateinisch: castrum, castellum, arx, turris, munitio, ferner palatium; deutsch:
Burg, Haus, Festes Haus, Turm, Stein, Pfalz, im späteren Mittelalter Kastell,
Festung oder Feste (Veste).“
In der
heutigen Zeit existiert oft eine falsche Vorstellung von einer Burg. Man
verbindet mit diesem Begriff häufig imposante Wehrbauten mit hohen Türmen,
hinter deren mächtigen Mauern wohlhabende Rittern lebten und ihre Gelage
abhielten. Doch diese von Märchen und Ritterfilmen geprägte Vorstellung trifft
nur auf wenige Ausnahmen zu. So sah die Realität vielfach ganz anders aus.
Die Burgen waren oft nicht sehr groß und wurden auch nicht von ihren reichen
Besitzern bewohnt, sondern von diesen an einfache Ritter verliehen,
welche nicht die finanziellen Mittel hatten, sich eine eigene Burg zu leisten.
Eine solche Burg wurde Lehen- oder auch Offenhaus genannt und ihre Vermieter
Lehnsherren. Somit kann man sagen, dass die meisten Burgen quasi nur als eine
Art Mietswohnung von mittellosen Rittern bewohnt wurden. Jene waren aber auch
verpflichtet, sich um die Instandhaltung des Wehrbaues zu kümmern und über die
Siedlung, welche sich an die Burg anschloss, zu wachen.
Im Gegensatz zur Burg steht das aus dem Spätmittelalter entstammende Schloss.
Seine Bauform stellt nicht mehr den bisher gekannten Wehrbau, sondern einen
reinen Wohnbau dar. Oft waren es eher schlichte Barockbauten. Am bekanntesten
sind jedoch auch hier die prunkvoll gestalteten Gebäude und Anlagen, wie zum
Beispiel Schloss Sanssouci oder Schloss Neuschwanstein, die den
Reichtum ihres Besitzers widerspiegeln sollten.
Es ist bewiesen, dass beide Bauformen, Burg und Schloss, in Sötern existiert
haben, jedoch zu unterschiedlichen Zeiten.
II.
Die Geschichte der “Burg“ zu Sötern
Die
schriftlich dokumentierte Geschichte der Burg von Sötern beginnt mit ihrer -
heutzutage bekannten - ersten urkundlichen Erwähnung am 3. September des Jahres
1295.
An diesem Tag wurde ein Teil der Burg durch deren Besitzer
“Nicholaus von
Sottre“ zu einem “Lehen- und
Offenhaus“ des “edlen Ritters
Theodrich von Kulant“.
Dass die Burg aber schon lange vor dem Jahre 1295 in Sötern existiert haben
muss, kann man der Tatsache entnehmen, dass auch “Nicholaus
von Sottre“ diesen Burgteil schon
als ein Lehen der Herren von Vistingen besaß.
Das Nächste, was über die Burg bekannt ist, geschah im Jahre 1337. Damals
unterstützten nämlich die “Herren Mohr
von Sötern“ ihre Lehensgeber, die “Herren von Vinstingen“, bei einer
Fehde mit den Erzbischof “Balduin von Trier“
wegen der Herrschaft Blieskastel.
Es kam zum Kampf, und als Balduin mit seiner Armee durch Sötern zog, wurde die
Burg trotz Unterstützung der Söterner Herren durch die Blieskasteler Vasallen
nach schweren Kämpfen von ihm erobert. Bei diesen Kämpfen musste die
Burg anscheinend Schäden erlitten haben, da im darauffolgenden Jahr die
Hausbesitzer Bertold von Sötern, Ritter, Johann Hornbach und die Brüder
Philipp und Johann von Sötern die Burg als Lehen an Balduin abtreten und die
Schäden an der Burg baldsmöglichst beheben mussten.
Im Laufe der Zeit erhielten immer mehr Leute, durch Heirat oder Kauf, Anteile an
der Burg. Eine solche Burg nannte man “Ganerbenburg“ und deren Bewohner “Ganerben“.
Dass es bei so vielen Mitbewohnern ab und zu interne Spannungen gab, ist verständlich.
So kam es, dass die “Ganerben“ am 01. Januar des
Jahres 1361 einen Burgfrieden schlossen1). Ein solcher Burgfrieden
regelte die Frage der Finanzierung des Haushaltes,
die der Instandhaltung der Burg und gab verpflichtende Regeln für das
Zusammenleben auf der Burg. Mit dem Begriff „Burgfrieden“ wurde aber nicht
nur der Vertrag bezeichnet, sondern auch das Gebiet, in welchem er gelten
sollte.
Dieser erste bekannte Burgfrieden wurde von den Ganerben “Bertolf von Sötern,
Ritter, Johann von Hornbach, Arnold und Bertolf, der Alte, Herrn Johanns selig Söhne,
Eberhard und Heinrich von Crove, Cleßgen und Johann Hornbach von Sötern, der
Junge“, abgeschlossen. In diesem Burgfrieden wurden - wie alljährlich - zwei
Burgbewohner als Baumeister festgelegt. Diese zwei Baumeister waren für
die Unterhaltungsarbeiten an der Burg verantwortlich und mussten die auf die
anderen Mitbewohner fallenden Anteile der Kosten festlegen. Es wurde weiterhin
in dem Burgfrieden bestimmt, dass diese Kostenanteile innerhalb von 14 Tagen
nach der Zahlungsaufforderung zu bezahlen seien, sonst würde der nicht
bezahlende Gemeiner seinen Anteil an der Burg verlieren.
In einem zweiten unvollständigen Burgfrieden wurde der Burg-friedensbezirk
genau festgelegt und mit einem Auszug aus einem Burgfrieden vom 18. Juli des
Jahres 1469 ergänzt.
Zu jener Zeit scheinen mehrere Kriege stattgefunden zu haben, in welchen die
Burg große Schäden erlitt, da es nämlich in einer Urkunde vom 08. Juli des
Jahres 1489 wortwörtlich heißt:
„Berlell, geborene von Vinstingen, Gräfin zu Sarwerdenn (Saarwerden),
erlaubt Johann, dem Sohn des Thomas von Soettern, den Wiederaufbau und die
Befestignung der durch Kriegsläufe seit längerem zerstörte Burg Soethern,
gelegen im gleichnamigen Hochgericht, welches Vinstinger Lehen der von Soetern
ist.“
Etwas merkwürdig kam mir eine Urkunde des Landesarchivs in Speyer vor. Diese
Urkunde trägt das Datum 13. Februar 1499 und in ihr steht folgendes
geschrieben:
„Johannet, geborene Gräfin von Sarwerdenn (Saarwerden), Wild- und Rheingräfin, Gräfin zu Salm und Frau zu Vinstingen, Witwe, erlaubt Johann von Soettern den Wiederaufbau der Burg Soettern, die er von der Vinstinger Herrschaft zu lehen trägt.“
Entweder
war die Burg also immer noch nicht repariert oder es kam innerhalb dieser zehnjährigen
Zeitspanne wiederholt zu kämpfen, durch welche die Burg erneut in
Mitleidenschaft gezogen worden war. Meiner Meinung nach ist Zweiteres
wahrscheinlicher, und man kann sich daraus ein gutes Bild über die kriegerische
Lage zu jener Zeit machen. Da die Burg in mehrere Kriege miteinbezogen wurde, lässt
sich auch vermuten, dass diese nicht gerade sehr klein gewesen war, sondern
schon einen recht wehrhaften Bau darstellte.
Am 10. April 1505 ging die Burg und das Dorf Sötern in den Schutz des Reiches
von Kaiser Maximilian I. über.
Ein
weiteres Mal wird die Burg in einem Ehevertrag zwischen Johann VI., Vogt von
Hunolstein, und Elisabeth von Hagen, der Enkelin des letzten Junkers von Sötern,
aus dem Jahre 1556 erwähnt. In diesem Vertrag wird Johann VI. gestattet, „
gen Soittren zu reiten, jagen und da hauszuhalten“.
Von diesem Zeitpunkt an waren die Vögte von Hunolstein die Besitzer der Burg
von Sötern. Jener Johann VI. war es auch, der die ev. Kirche im Jahre 1578 neu
bauen oder die frühere Kirche wiederaufbauen ließ. Nach seinem Tode im Jahr
1579 lebte die Witwe Elisabeth ab 1583 ständig in der Burg.
Eine genauere Vorstellung darüber, welche Ausmaße die Burg hatte, lässt sich
aus der schriftlichen Überlieferung über die glänzende Hochzeit von
Elisabeths zweitem Sohn, Wilhelm Vogt von Sötern, am 1. September des Jahres
1589 entnehmen.
Die Feier zog sich über vier Tage hinweg und kostete summa summarum die für
damalige Verhältnisse gewaltige Summe von 1109 Gulden und 11 Albus. Die Gästeliste
war riesig und umfasste folgende Namen:
Von des Bräutigams Seite: der Wild- und Rheingraf Otto mit 12 Pferden, Nikolaus
Erbschenk von Schmidtburg mit 3 Pferden, Caspar von Eltz mit 4 Pferden,
Friedrich von Steinkallenfels, Phillip Jakob von Flersheim, Marsilius von
Reifenberg, Hans Heinrich Schenk von Schmidtburg, Johann Schweikart und Johann
Vogt von Hunolstein, Adam Vogt von Hunolstein, Johann von Warsberg, Philipp von
Wildberg, Marsilius von der Leyen, Hartmann von Cronenberg, Johann Riedesel von
Eisenbach, Dietrich Greiffenklau von Vollrats, Hans Endres und Philipp Erwein
von der Leyen, Georg von Oberstein, Hans Reinhard Brömser von Rüdes-heim, Hans
Schweikart und Johann Friedrich von
Sickingen, Johann Friedrich und
Hans Anton von Eltz, Kaspar Kratz von Scharfenstein, Johann Ludwig und Johann
Nikolaus von Hagen, Hans von Kerpen, Georg Wilhelm von Sötern und Paulus von
der Fels mit 3 Pferden;
Von der Seite der Braut: ihre Mutter mit 16 Pferden, ihre Schwester Frau von Lützelburg,
die Herren von Roßfeld, Hattstein, Sturmfeder, Hieronimus von Lewenstein,
Philipp Daniel von Hagen, Johann von Hochstein, Ludwig Alexander von Sötern,
Augustin Freiherr von Morsberg, Jakob Siegmund und Hans Erhard von Reinach, Hans
Ludwig von Andlau, Wilhelm und Nikolaus von Uttenheim, die Witwe
von Schönau, Hans Jakob Wurmser, Bernhard und Walter von Lützelburg, die
Witwe von Schwarzenburg mit ihrer Tochter, Wolfgang Kranz von Geispolzheim,
Salentin Faust von Stromberg, Johann von Helmstadt, der von Schauenburg, der
Junker v. Braubach mit 3 Pferden.
Man
kann also sagen, dass ein großer Teil des Hunsrücker, Westricher und des Elsässer
Adels an dieser Feier teilnahm. Die Burg musste also sehr geräumig und recht
groß gewesen sein, da immerhin 55 Gäste und etwa 180 Diener mit ebenso vielen
Pferden zur Burg kamen. Die ungeheuere Anzahl von Pferde überstieg
wahrscheinlich die Kapazität der Stallungen auf der Burg, und es mussten andere
Unterkünfte für die Rosse geboten werden. Eine Ausweichmöglichkeit bot der
damals bei Obersötern gelegene, “Haupenthaler
Hof“ mit seinen Ställen. Aber dies ist nur eine naheliegende Vermutung,
über welche keine schriftliche Dokumentation vorliegt. Rechnungen von dieser
Feier sind heutzutage noch erhalten, aber für das eigentliche Thema Burg nicht
weiter interessant.
Bis 1591 lebte Elisabeth von Hagen in der Burg. Danach vermachte sie ihren
Anteil an Sötern ihrem Sohn Johann von Schweikart Vogt von Hunolstein und
siedelte über in das Schloss zu Merxheim. 1602 aber zog sie wieder zurück auf
die Burg von Sötern, um dort nach einigen Monaten zu sterben2). Sie
wurde in der Ahnengruft unter der ev. Kirche zu Sötern begraben.
Ein Jahr später wurde der wichtige Hunolsteiner Erbvertrag auf Haus Sötern
abgeschlossen, und bei der
Erbteilung wurde dem Begründer der Linie Hunolstein - Sötern, Johann Adam, die
Herrschaft Eberswalde zuge-sprochen. Dies bedeutete, dass die Burg und Sötern
von diesem Zeitpunkt an Johann Adam Vogt von Hunolstein gehörte.
Einige
Jahre später, 1618, hielt der zerstörerische “Dreißigjährige Krieg“ auch
in unserer Region Einzug und verbreitete Angst und Schrecken. Während dieser
Zeit wurden die Wehranlagen der Burg durch Kämpfe mit umherziehenden
schwedisch-französischen Truppen so in Mitleidenschaft gezogen, dass sie
keinerlei Schutz mehr boten, und es ist dadurch sehr wahrscheinlich, dass die
Burg in diesem Krieg mehrere Male besetzt wurde. Was man aus dieser Zeit weiß,
ist, dass viele Siedlungen und sogar Dörfer wie Bosen beim Rückzug des
schwedisch-französischen Heeres, unter der Führung von Bernhard von Weimar,
1635, in Schutt und Asche gelegt wurden. Dem “Geschichtlichen
Heimatkundebuch“ von Prof. Dr. H. Baldes kann man entnehmen, dass die letzten
11 Über-lebenden aus dem völlig zerstörten Bosen nach Sötern kamen und in
der Burg Schutz fanden.
Auch noch nach Ende des Krieges war die Burg nicht sicher. So wurde ein Sohn des
Vogtes von Hunolstein in der Burg zu Birkenfeld getauft, da seine Mutter “wegen der streifenden
Parteien“ aus der schutzlosen Burg zu Sötern auszog, um in der
Herzogin Behausung in Birkenfeld niederzu- kommen.
Während der grausamen Eroberungskriege Ludwigs XIV wurde die Burg im Jahre 1674
als Hauptquartier des französischen Marschalls Turenne benutzt.
Damit hatte die Burg von Sötern ihre beste Zeit hinter sich und verkam auf
Grund der immensen Schäden immer mehr.
Wahrscheinlich wurde sie in der darauffolgenden Zeit als Gefängnis benutzt, da
ich nämlich im Landesarchiv in Koblenz auf eine Urkunde von 1751-53 stieß,
welche eine Streitigkeit der Herren Eckbrecht von Dürkheim mit dem Kurfürstentum
Trier wegen der gewaltsamen
Befreiung des auf der Burg zu Sötern inhaftierten Theobald Arend dokumentiert.
Danach verfiel die Burg, und ihre Steine wurden wahrscheinlich zum Bau neuer Gebäude
abgetragen.
III.
Diskussion über den Standort der ehemaligen Burg zu Sötern
Ein Indiz dafür, dass eine Burg in Sötern gestanden haben muss, ist schon allein die Tatsache, dass sich die beiden Adelsgeschlechter, die “von Sötern“ und die “Mohr von Sötern“, nach der Ortschaft benannt haben und dass sie ihren Stammsitz auch in Sötern hatten.
Ein
weiterer Beweis für die Existenz eines solchen Wehrbaues in Sötern gibt uns
eine Urkunde aus dem Jahre 1195.
Am 3. September jenes Jahres machte der Sohn des verstorbenen “Henzo von Sottre“, “Nicholaus“,
seinen Teil des Hauses “Sotre“
dem “edlen Mann und Ritter Theodrich
von Kulant“ zu einem Lehen- und Offenhaus.
Erste Hinweise über den Standort der ehemaligen Burg gibt ein Burgfriede
aus dem Jahre 1469 . In diesem Burgfrieden ist eine Skizze über die Lage der
Burg gezeichnet, und die Grenzen des Burgfriedens werden schriftlich festgelegt.
Der Originaltext lautet:
„Der
angehen soll von dem obengenannten Hause Soettern (A) bis an das Oberdorf (B)
und von dem Oberdorf da herab bis an den Baum (C) , den man nennt Tuederling /Queckeneich,
und von demselben Baum bis an den Hildeborn/ Hellebörgen (D) und von dem Hildeborn/Hellebörgen bis an Herrn Johannes
Mühle (E) und von derselben Mühle bis an den Hohlen Weg (F), da man ausgeht
gegen das Feld, und von dem Hohlen Weg bis
an den “Haselborn“/Hieselborn (G)
und von da wieder an das Oberdorf (B).“
In
der Skizze lässt sich die Beschreibung der Grenzen nachvollziehen. Zentral auf
der Karte gezeichnet ist der quadratische Grundriss der Burg von Sötern (A)
mit ihren vier Ecktürmen. Die Burg
selbst ist wiederum von einem Quadrat umgeben, welches, nach Meinung einiger
Heimatforscher, den die Burg umgebenden Wassergraben darstellen soll.
Die querschraffierte Fläche über den Graben deuten sie als die dazugehörige
Brücke. Zu ihr führt ein Weg, der an der Stelle (F)
wie ein Graben gezeichnet ist und daher anscheinend durch eine Vertiefung führt.
An den Punkten (D) und (G)
sind jeweils ein Brunnen und eine Tränke gezeichnet. Stelle (C)
symbolisiert einen Baum mit dem Namen “Tuederling“
oder später “Queckeneich“. Das
Oberdorf wird durch vier gezeichnete Häusern im
Punkt (B) dargestellt, und
gegenüber an der Stelle (E) befindet
sich die heutzutage unbekannte Mühle des Johannes. Sie liegt an einem Bach,
welcher wahrscheinlich den Söterbach darstellt.

Handgezeichnete
Skizze des original Burgfriedens von 1469.
Leider hilft
einem die ergänzende Beschreibung zur Skizze nicht viel, da im Laufe der Zeit
die von der Mundart geprägten Anhaltspunkte heute einen anderen Namen tragen.
Die einzigen hilfreichen Markierungen sind das genannte “Oberdorf“
und die “Johannsmühle“. Tatsächlich
gibt es noch heute eine alte, halb verfallene Mühle in Obersötern, deren Alter
sich nur schätzen lässt. Diese Mühle steht nicht unmittelbar am Söterbach
sondern ist etwas abseits von ihm gelegen. Daraus kann man schließen, dass der
Lauf des damaligen Söterbaches
nicht genau mit dem des heutigen Bachlauf übereinstimmt, und damit ist
die Chance, die exakte Lage der Burg nur anhand des in der Skizze
eingezeichneten Baches zu bestimmen, sehr gering. Man weiß auch nicht, ob
früher vielleicht schon
einmal eine andere Mühle, von welcher heutzutage keine Spuren mehr zu finden
sind, in Sötern gestanden hat. Auch dem angewandten Begriff “Oberdorf
“ lässt sich kein hundertprozentig klarer Standort zuordnen. Mit dem Begriff
Oberdorf verbindet man zuerst den heutigen Ortsteilnamen “Obersötern“. Da ich aber bei meinen Recherchen im Landesarchiv
Speyer eine Urkunde vom 09.Juni 1479 entdeckte in welcher die Dörfer “Obersötern“
und “Oberdorf“ getrennt voneinander genannt werden, ist diese Theorie
meiner Meinung nach nicht korrekt.
Was ich aber nicht bestreiten möchte, ist, dass dieses “Oberdorf“
vielleicht in der Nähe von “Obersötern“
gelegen haben könnte. Aber wenn es so gewesen wäre, dann war das “Oberdorf
“ mit Sicherheit eine eigene bewohnte Siedlung, da nämlich in der oben
genannten Urkunde der Erzbischof von Trier die Einwohner der genannten Dörfer
auf Bitte Heinrichs von Sötern auf 12 Jahre unter seinen Schirm nimmt.
III.
a ) Standort
Mannenberg :
Bei
dem “Oberdorf“ könnte es sich
aber auch, laut Aussagen einiger Heimatforscher, um den heutigen
“Weiherdamm“ gehandelt haben.
Obwohl dieser Ortsteil erst in der Mitte des 20.Jahrhunderts besiedelt und
bebaut wurde, hört man heute noch bei den älteren Mitbewohnern Söterns die
Ausdrucksweise : „Ich gehe ins Oberdorf
!“, und sie bezeichnen damit den heutigen Weiherdamm. Das heißt, dass die
Bezeichnung “Oberdorf“ schon längst
vor der Bebauung im 20.Jahrhundert existierte. Nun stellt sich natürlich die
Frage, warum ein unbebautes Gebiet als “Dorf“
bezeichnet wird. Um auf diese Frage
eine plausible Antwort geben zu können, muss man in der Zeit einige
Jahrhunderte zurückgehen.
In der frührömischen Zeit gab es nämlich in den Gebiet des heutigen Ortsteils
“Horntal“ eine römische Siedlung,
wie man den beim Feldbau zufällig ausgegrabenen Mauerzüge entnehmen kann. Dies
würde bedeuten, dass das “Horntal“
der älteste Ortsteil Söterns ist. Da diese Gebiet in einer Niederung gelegen
ist, liegt der heutige “Weiherdamm“
tatsächlich etwas höher, und wenn damals, um 1469, noch einige Gebäude auf
ihm gestanden haben, könnte man den Begriff “Oberdorf“
damit erklären. Dass von diesen damaligen Häuser nichts mehr zu sehen ist, lässt
sich auf den Dreißigjährigen Krieg zurückführen, der in unserer Region
mehrere Dörfer und Siedlungen in Schutt und Asche versinken ließ. Würde man
nun annehmen, dass dieses genannte
“Oberdorf“ der heutige Ortsteil
“Weiherdamm“ sei und der
eingezeichnete Fluss der Söterbach, dann müssten sich in dem Bezirk zwischen
dem ehemaligen Judenfriedhof von Sötern und dem heutigen “Hundeplatz“ (Steiners) eine Quelle oder ein Brunnen befinden. Und
tatsächlich ist die am Fuß des Steiners gelegene Wiese auch im Sommer sehr
feucht und nass, aufgrund eines hochliegenden
Grundwasserspiegels. So kann man annehmen, dass dort in früherer Zeit
vielleicht einmal ein Brunnen oder eine Tränke gestanden hat. Projeziert man
die Lage der Burg auf eine der heutigen Karten von Sötern, so stellt man fest
dass, die Burg aufgrund dieser Anhaltspunkte zwischen
“Forstkopf“ und
“Mannenberg“ gelegen haben könnte. Dies ist natürlich nur eine
Theorie von vielen über die Lage der Burg. Allerdings wird diese durch die
Tatsache bekräftigt, dass es um das Jahr 1752 einen
Burg- und Bannmüller, Ruppenthal Jakob, in der untersten Mühle zu Sötern gab
und diese ebenfalls zwischen “Forstkopf“
und “Mannenberg“ liegt.
Andere
Heimatforscher versuchten den ehemaligen Standort der Burg am Lauf des Söterbachs
zu bestimmen, was, wie schon angesprochen, durch die Umleitungen mancher
Abschnitte des Baches, nicht sehr sicher ist. Der Söterbach hat jedoch in dem
Abschnitt, in dem er den Fuß des “Rothenberges“
berührt und weiter in Richtung Obersötern fließt, fast den gleichen Verlauf,
wie er in der Skizze eingezeichnet ist. Da der Bach in diesem Gebiet noch seinen
ursprünglichen Lauf besitzt und die Umgebung recht eben und flach ist, könnte
vielleicht in jener Zeit des 15. Jahrhunderts eine Mühle, wie sie im
Burgfrieden genannt wird, gestanden haben. Daraus ergibt sich aber nun das
Problem, dass das “Oberdorf “, so
wie es eingezeichnet
ist, auf das heutige Gebiet der kath. Kirche fällt und diesem Bezirk jeglicher
Zusammenhang zu dem Begriff “Oberdorf “
fehlt. Die Lage der Burg aber zwischen dem heutigen “Galgenberg“ und dem gegenüber gelegenen “Rothenberg“ wäre recht vorteilhaft gewesen, da die damalige
Hauptverbindung zwischen Schwarzenbach und Nohfelden genau
an ihr vorbei verlaufen wäre. Würde man das “Oberdorf
“ statt auf das Gebiet um die kat. Kirche auf Obersötern beziehen, so
stimmt der Lauf des Baches immer noch mit dem der Skizze übereinstimmen.
Die Lage der Burg allerdings wäre nun wiederum unvorteilhaft, da sie sich genau
am Fuße des Rothenberges befände, und damit die Abwehr von Feinden
bei einem Angriff von der nördlichen
Seite her nicht besonders einfach wäre.
Einen
weiteren möglichen Anhaltspunkt zur Lokalisierung des Standortes der Burg
findet man auf einer gezeichneten Karte von Sötern und Umgebung des
preußischen Leutnants “Hoffmann“ aus dem Jahre 1826. Auf dieser Karte (s. Anhang 1) sieht
man deutlich die heutzutage noch existierenden “Obermühle“ und “Untermühle“.
Es lässt sich auch erkennen, dass jeder Markierung einer Mühle ein rötliches,
sternförmiges Zeichen hinzugefügt wurde. Wendet man nun seinen Blick dem Lauf
des Söterbachs zwischen beiden Mühlen zu, so erkennt man kurz unterhalb der
“Obermühle“ wiederum jenes, auf
eine Mühle deutende, sternförmige Zeichen. Daraus kann man schließen, dass
zur damaligen Zeit eine weitere, dritte Mühle in Sötern gestanden haben muss.
Leider steht statt dem vollständigen Namen der Mühle nur ein “O.“,
was eine genauere Identifizierung dieses Gebäudes nicht ermöglicht. Wäre
diese unbekannte Mühle die in dem Burgfrieden genannte “Johannes Mühle “, so müsste sich die Burg etwas unterhalb der
heutigen ev. Kirche befunden haben. Ein weiterer Fakt, der diese These stützt
ist, dass sowohl die “Obermühle“ als auch die “Untermühle“ von einem künstlich
angelegten, gerade geführten Mühlenbach gespeist wurden, während die in der
Skizze (Blatt ) gezeichnete Mühle an einem gewundenen Bachlauf lag.
Dies würde die unter den Heimatforschern favorisierte Theorie untermauern, dass
die Burg auf dem Grundstück des ehemaligen Schlosses stand.
Es muss aber auch die Theorie in Betracht gezogen werden, welche davon ausgeht,
dass jenes um die Burg gezeichnete Quadrat kein Wassergraben, sondern ein
anderes für die Umgebung der Burg markantes Objekt, wie zum Beispiel ein Hügel
und die schraffierte Fläche eine Treppe sei. Geht man nun diesem Aspekt nach,
so ist die Burg nicht mehr auf eine Lage im Tal, bedingt durch den Wassergraben,
ange-wiesen und es ergeben sich daraus einige weitere Standortmöglichkeiten auf
den in der Nähe befindlichen Anhöhen. Dieser Gedanke ist auch nicht allzu
abwegig, da es auf den ersten Blick etwas unlogisch erscheint, eine Wehranlage
in ein Tal zu bauen, wenn dieses von einigen als Standort einer
Verteidigungsanlage geeigneten Anhöhen umgeben wird.
Meiner Meinung nach könnte es sich bei der Burg von Sötern aber auch um eine
sogenannte “Turmburg“ gehandelt
haben. Diese frühe Variante der Burg war eine der Vorläufer der späteren
Ritterburgen.
Etwa um das Jahr 1000 begannen wohlhabende Bauherren ihre hölzernen, auf
aufgeschütteten Erdhügel gebauten Wehrtürme durch aus Stein gebauten, Burgen
zu ersetzen.
Zeichnung einer Turmhügelburg (Motte) aus Holz.
Man kann auf der Zeichnung ganz genau den üblichen Zugang einer damaligen Turmhügelburg erkennen. Dieser bestand aus einer Treppe und einer darauffolgenden waagerechten Trittfläche. Wenn man nun die original Karte aus dem Burgfrieden des Jahres 1469 betrachtet, so kann man erkennen, dass der Zugang der Burg aus einem gezeichneten Rechteck besteht, welches sich an ein Quadrat anschließt, deren Diagonalen sich in der Quadratmitte kreuzen (s. folgende Seite). Die waagerechten Striche in dem Rechteck ähneln den Stufen einer Treppe und das Quadrat könnte eine waagerecht Fläche darstellen. Vergleicht man nun die Skizze mit den Eingängen andere bekannten Turmhügelburgen (s. oben), so lässt sich eine gewisse Ähnlichkeit beider Eingangsformen erkennen.

Vergrößerung des auf der Skizze von 1469
gezeichneten Burgeingangs.
Dies
wäre eine weitere mögliche Bauform der ehemaligen Burg gewesen.
Aber im Endeffekt lässt sich bis zum heutigen Tage nicht sicher sagen, ob die Burg nun eine Wasser- oder eine Turmhügelburg war und wo genau ihr Standort lag. Sicher ist nur, dass sie einen quadratischen Grundriss mit vier Ecktürmen besaß.
Die
Geschichte des Schlosses zu Sötern ist im Vergleich zur Geschichte der Burg
nicht sehr lang, da das Schloss nur etwa 100 Jahre bestand. Im Gegensatz zur
Burg aber ist die Lage des Schlosses von Sötern heutzutage bekannt.
Es wurde zu Beginn des 17.
Jahrhunderts als Ersatz für die verfallenen Burg, von Freiherr Ernst Ludwig
Vogt von Hunolstein, auf dem Gebiet unterhalb der heutigen ev. Kirche zu Sötern
errichtet.
Aus einigen Quellen geht hervor, dass es sich bei dem Schloss um einen
schlichten Barockbau gehandelt haben muss, von dessen Aussehen Kurt Hoppstädter
einer annähernde Beschreibung zu machen weiß.
Er zitiert in seiner Dokumentation, „Die Burg von Sötern“
(erschienen im St. Wendeler Heimatbuch des Jahres 1963/64), den ehemaligen
Lehrer aus Sötern, Herrn Weiß, der ihm 1949 folgendes über den Grundriss des
Schlosses mitteilte:
„Es
bestand aus drei Flügeln, hatte also die Form eines nach Westen offenen
Rechtecks. Auf seinen Fundamenten (Südflügel) stehen die Wohnhäuser von Dr.
Schoen und Menth (heute: Nachtwey und Thon). Auf den Fundamenten des Ostflügels
liegen Bier- und Eiskeller von Menth sowie Wohnhaus Pick. Der Nordflügel ist
nur zur Hälfte in dem Korbschen Anwesen zu erkennen. Die Einfahrt zum Hofe
Menth - Schoen war damals nicht vorhanden. Dort stand die zweite Hälfte des
Nordflügels. Ich besaß einen Grundriß des Schlosses aus dem Jahre 1780.“

Grundriss des Schlosses eingezeichnet in aktuelle Karte
Die
große Zeit des Schlosses endete aber schon nach dem Tode seines Erbauers, am 3.
September des Jahres 1716. In dieser Nacht erlag Ernst Ludwig einer schweren
Krankheit. Sofort nachdem sein Herz aufgehört hatte zu schlagen, entsandte sein
Sekretär, Johann Philipp Külz, einen Eilboten zur Burg nach Birkenfeld, um den
dürkheimschen Vormund Friedrich Ludwig Waldner von Freudenstein vom Tod Ernst
Ludwigs zu unterrichten. Jener Sekretär bezog schon seit längerer Zeit
jährlich 100 Dukaten Bestechungsgelder von dem Herren Eckbrecht von Dürkheim,
damit er ihnen schnellstmöglich den Tod seines Herren meldete. Friedrich Ludwig
Waldner ließ noch in der selben Nacht das Schloss zu
Sötern durch bewaffnete Truppen umstellen und durchsuchen. Er veranlasste, dass
das gesamte Archiv der Hunolsteiner, welches sich im Schloss befand, in Truhen
gepackt und sofort nach Straßburg gebracht wurde. Ihm ging es vor allem darum,
dass das Testament, in dem Ernst Ludwig seine drei Söhne, Christian Friedrich,
Ernst Ludwig und Philipp Ludwig, als alleinige Erben seines gesamten Besitzes
bestimmte, verschwand.
Die Absicht dieser Aktion lag darin, den verschuldeten Dürkheimern das Schloss
und sein Erbe als Besitz zu sichern und die rechtmäßigen Erben leer ausgehen
zu lassen. Natürlich kam es zum Streit zwischen den Vögten von Hunolstein und
den Herren von Dürkheim. Dieser Erbstreit wurde vor dem Reichskammergericht zu
Wetzlar geführt und erst im Jahre 1792 nach langem Hin und Her
zu Gunsten der Familie von Dürkheim entschieden.
Im Jahre 1748 kam es zu Streitigkeit zwischen dem Erzbischof von Trier, Kurfürst
Franz Georg von Schönborn, und
Christian Friedrich von Dürkheim. Bei einem Tausch und Teilungsvertrag, in dem
es um Rechte und Güter in Schwarzenbach, Otzenhausen, Braunshausen und dem
Eberswald ging, glaubte sich der Erzbischof übervorteilt. Unter diesem Streit
litten vor allem die ehemaligen Trierer Untertanen, welche nach dem Tausch
Untertanen der Herren von Dürkheim waren. Die Dürkheimer unterdrückten jene Bürger
auf grausame Art und Weise um sich an ihrem Vermögen zu bereichern. Als der
Streit zwischen beiden Parteien immer heftiger wurde, ließ Friedrich von Dürkheim
den alten vermögenden Theobald Arend aus Schwarzenbach wegen seiner trierischen
Gesinnung und wegen dessen Kenntnis über die Machenschaften der Dürkheimer
festnehmen und in den Kerker der Burg werfen und
drohte er sogar mit der Hinrichtung des Gefangenen durch das Schwert.
Angesichts solcher Tatsachen konnte der Erzbischof von Trier nicht mehr länger
zuschauen und ließ Theobald durch
bewaffnete Truppen gewaltsam aus der Burg befreien und nach Trier in
Sicherheit bringen.
Nach diesem Vorfall wurden die Verhandlungen weitergeführt. Es ist bekannt,
dass am 20. und 21. Juli 1752 der damalige kurtrierische Amtsverwalter D’hame
in St. Wendel und Otzenhausen Zeugenverhöre über den ungerechten
Teilungsvertrag durchführen ließ. Zur Überwachung der rechtmäßigen Durchführung
der Verhöre wurden Unterhändler des Erzbischofs aus Trier ins Schloss nach Sötern
gesandt.
Während der drei Wochen andauernden Verhandlungen war des gewaltigen
Gesäufs und Tractierens im Schloss zu Sötern kein Ende. Immer waren
Boten unterwegs nach Trier und anderen Orten, um Fleisch, Wein und andere gute
Dinge heranzuschaffen. Den Burgunder Wein holte der Mehlmann (Mehlhändler) mit
seinem Esel heran. Als Belustigung wurde
gar oft aus dem alten hunolsteinischen Glase getrunken. Von Amtverwalter Aldringen, Notar Dörres
und Kellner Otto wird gesagt, dass sie wenigstens
3 Täge so besoffen, daß es ärgerlich gewesen. Otto konnte nicht
mehr reiten und verlor sich mit seinem Pferd bei der Besichtigung der Waldungen.
Aldringen und Dörres fuhren mit dem dürkheimschen Amtmann Caspari in einer
Kutsche in den Wald, wo Dörres dann ausstieg und von
einer Seite zur anderen wackelte. Aldringen aber ritt ein Pferd heftig und kreuz
und quer, bis ihm der Tussel nach langer Zeit in etwas vergangen. All drei seien
so voll gewesen, dass sie den Dörres, ehe sie in den Wald gefahren, aus Spaß
in den Schweinestall sperren wollten und hätten sich aufgeführt wie Buben. Dörres sei eines Tages in einer
Stube des Schlosses ganz
besoffen und auf dem Fußboden liegend angetroffen worden, so dass er
nicht wußte, was er thun oder reden
sollte. Otto, der in den Wald reiten sollte, war so betrunken, dass
er vom Pferd fiel, geschleift wurde und drei Wunden am Kopf davontrug. Er wurde
aufs Pferd gesetzt, ritt aber nicht in den Wald sondern nach Hause
nach Lascheid. Auch der Landmesser, dessen Name nicht bekannt ist, war eines
Tages bei der Mühle (Nonnweiler Mühle) so betrunken, dass er mit Messen aufhören
musste und erst nach vierstündigem Schlafe um den Kahlenberg fortmessen konnte.“
Ab dieser Zeit verkam das Schloss unter der Herrschaft der Herren von Dürkheim
immer mehr.
Das Schloss wurde im Jahre 1792 mit der französischen Revolution als
Nationaleigentum beschlagnahmt. Der
damalige Oberbürgermeister von St. Wendel, Carl Cetto, ersteigerte von den
Franzosen das Grundstück mit dem Schloss. Er ließ das verwahrloste Schloss,
bis auf den Südflügel abreißen und das Grundstück zu Baustellen
parzellieren, welche er anschließend verkaufte.
V.
Der Südflügel des Schlosses von Sötern
Der
damalige Pfarrer von Sötern, Dr. Otto Schmidt, kaufte um 1845 den vom Schloss
übrig gebliebenen Südflügel (s. Anhang 3 u. 4) von den Gebr. Cetto aus St.
Wendel.
Sein Vorhaben war es, ein Progymnasium mit angeschlossenem Knabenpensionat in Sötern
zu errichten und seine Zöglinge in diesem Gebäude unterzubringen.
Über dieses sogenannte Progymnasium wurde bis heute nicht viel schriftlich überliefert.
Doch weiß der ehemalige Söterner Rektor Otto Müller eine nähere Beschreibung
über den damaligen Unterricht wiederzugeben. Als Informationsquelle bediente er
sich eines von Pfarrer Schmidt im Jahre 1851 verfassten Berichtes über den
vorgesehenen Lehrplan des Winterhalbjahres 1852/53.
Pfarrer Schmidt verfolgte in seiner Schule drei Ziele: Die Schüler sollten auf
das Militär, den Handelsstand und auf das Gymnasium vorbereitet werden.
Darüber hinaus geht aus dem Bericht hervor, welche Fächer in der Schule
unterrichtet wurden:
Religion, Deutsch, Französisch, Englisch, Latein, Griechisch, Geographie,
Geschichte, Mathematik, Naturkunde und Technologie, Zeichnen und
Schreibunterricht, Musik, Turnen und auf freiwilliger Basis Handfertigkeit.
Man kann ebenso dem Bericht entnehmen, dass Pfarrer Schmidt in seinen
Anforderungen zum Teil über die Ziele der „Mittleren Reife“ hinausging. Als
Beispiel dafür steht die Tatsache, dass in der sogenannten Gymnasial-Abteilung
schon „Einzelnes aus Homers Iliade“ gelesen wurde.
Weiterhin ist bekannt, dass die Schule in fünf Klassen unterteilt gewesen war,
wobei die zwei obersten Klassen (II und I) in die „Gymnasial-Präparanden, die
Kaufleute und in die Militärs“ unterteilt waren. Außer den fünf
Hauptklassen wurden für Ausländer an der Schule (Franzosen, Belgier, Engländer)
noch besondere Klassen eingerichtet. Diese speziellen Klassen wurden zur
besseren Verständigung im Unterricht von „geborenen Franzosen und Engländern“
geleitet.
Folgende
Lehrer unterrichteten an der Anstalt:
Lehrer:
Unterrichtsfach:
1. Pfarrer
Dr. Schmidt
Religion, Latein, Griechisch, Deutsch,
Geographie und
Geschichte
2. Lehrer
Michels
Religion, Deutsch, Geschichte,
Mathematik
3. Mr. Oliver Französisch, Latein, Geographie,
Griechisch, Mathematik, in den Ober-klassen
4. Mr. Nicolas
Französisch
5. Cand.
Klein
Geographie, Latein, Griechisch, Religion
6. Lehrer
Köchert
Naturkunde, Mathematik, Physik.
7. Mr.
Moyse
Zeichnen, Englisch, Mathematik
8. Herr
Steffens
Musik
9. (Name
unbekannt)
Ein Turnlehrer, der wöchentlich von
Birkenfeld
nach Sötern kam um hier Sport zu unterrichten
10. (Name unbekannt)
Elementarlehrer für Mathematik in den
untersten
Klassen (V und IV).
Es unterrichteten also insgesamt 10 Lehrer an der Schule. Leider kann man dem Bericht keine genaue Schüleranzahl entnehmen, doch muss es sich angesichts einer für damalige Verhältnisse recht hohen Anzahl von Lehrkörpern um eine größere Anstalt gehandelt haben.

Aufnahme
des Progymnasiums von Sötern um 1914.
Aus
welchem Grunde das Progymnasium nicht weitergeführt wurde ist mir nicht
bekannt. Bei der Anlegung des Grundbuches im Jahre 1898 wird jedoch bereits als
Eigentümer des Gebäudes der Brauereibesitzer August Zöhler zu Sötern genannt
der darin eine Bierbrauerei betrieb.
1906 wurde
das Grundstück an die Fa. Hofbräuhaus Saarbrücken AG veräußert, die
ihrerseits hier Bier braute.
Die Fa. verkaufte 1911 das Gebäude an die Eheleute Dr. med. F. Schön und G.
Oppermann, die darin eine Arztpraxis betrieben. Nach dem Tode von Herrn Dr. med.
F. Schön im Jahre 1958 ging das Grundstück an die Erbengemeinschaft Witwe und
Dr. W Schön und U. Altrichter über, die das Haus 1962 an die Eheleute K. u. K.
Rabes verkauften.
1966 wurde das Objekt von A. Leonhard vor dem Amtsgericht Nohfelden ersteigert.
Seit 1996 gehört es den Eheleuten O. u. A. Thon , und wird als Mietshaus
genutzt.
VI.
Die
Überreste des Schlosses von Sötern
Wie schon
angesprochen ist vom ehemaligen Schloss bis heute der Südflügel
erhaltengeblieben. Er wurde aber schon mehrere Male innen und außen durch
Renovierungsarbeiten verändert und befindet sich somit auch nicht mehr im
Originalzustand.
Jedoch konnte ich durch Herrn Lothar Schmeier erfahren, dass das Schloss zum größten
Teil nur an der Erdoberfläche abgerissen wurde und dass man die damaligen
Kellergewölbe heute noch erhalten sind. Sie liegen unter denn heutigen Wohnhäuser
Thon (ehem. Progymnasium), Nachtwey, Pick, Gosert und Korb. Diese Keller des
ehemaligen Schlosses bestehen meist aus niedrigen Gewölben. Eine Ausnahme
bildet der Kelleraum unter dem Anwesen Nachtwey. Dieser Keller war in drei
Etagen unterteilt und hatte eine ursprüngliche gesamt Tiefe von sage und
schreibe um die 20 m. Warum man diesen Keller so überdimensional konstruierte,
weiß heutzutage niemand.
In der untersten Etage waren einst die Eingänge zweier unterirdischer Wege.
Einer der Gänge, so berichtet Lothar Schmeier, dessen Öffnung sich in der
Nordwand des Kellers befand, führte bis unter den Altar der ev. Kirche. Die Öffnung
des zweiten Ganges war etwas kleiner als die des ersten und befand sich in der Südseite
des Kellers. Jener Gang führte mehr als 30 m in Richtung Eckelhausen. Während
der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die beiden Eingänge zugemauert
und die zwei untersten Etagen wegen Baufälligkeit zugeschüttet. Nach Angaben
des heutigen Besitzers sind es trotzdem immer noch 53 Treppenstufen (um die 7 m)
vom Erdgeschoss bis in die 1. Etage.
Zu Beginn des 19.Jahrhunderts wurde dieser Keller von dem Bierverleger Menth zu
einem Eiskeller umfunktioniert. Im Winter wurde Eis, welches vom Dorfweiher
gebrochen wurde, in dem Keller eingelagert, um im Sommer das gebraute Bier damit
zu kühlen.
Vor kurzer Zeit wurde durch Baumaßnahmen unter dem ehemaligen “Stierstall“
ein weiterer Kellerraum freigelegt, welcher wahrscheinlich auch einmal ein Teil
des ehemaligen Schlosskellers war. Ob es noch mehr
solcher unterirdischen Räume gibt ist bis heute noch nicht bekannt.

Skizzierter Kellerplan
Ausschnitt aus einer Karte von 1826, gezeichnet von dem preußischen Leutnant Hoffmann

Aktueller
Kartenausschnitt mit möglichen Standorten der Burg

Aktueller Kartenausschnitt von Sötern



Aktuelles Foto vom
Südflügel

Rückseite und
Hofgeländedes heutigen Südflügels

Nordseite des heutigen Stierstalls (rechts)
und des Hauses Korb (links)

|
1. |
Baldes, Heinrich |
Geschichtliche Heimatkunde der Birkenfelder
Landschaft. Von der Urzeit bis 1817 nebst einer Geschichtlichen Ortskunde. |
|
2. |
Festschrift der ev. Kirchengemeinde Sötern |
Die reichsunmittelbare Herrschaft Sötern. |
|
3. |
Festschrift der
Gemeinde Nohfelden |
Gemeinde Nohfelden. 1974-1984. |
|
4. |
Festschrift des Gemeindebezirks Bosen-Eckelhausen |
1000 Jahre Bosen. Geschichte und Geschichten aus
einem alten Marktflecken. 1978. |
|
5. |
Hoppstädter, Kurt
|
Die Burg von Sötern. Erschienen im Heimatbuch St.
Wendel des Jahres 1963/64. |
|
6. |
Hoppstädter, Kurt
|
Die Herren von Sötern. Erschienen im Heimatbuch St.
Wendel des Jahres 1951/52. |
|
7. |
Jost, Antonuis |
Der Kurfürst wird übers Ohr gehauen. Erschienen im
Heimatbuch St. Wendel des Jahres 1973/74. |
|
8. |
||
|
9. |
Sprandel, Rolf |
Verfassung und Gesellschaft im Mittelalter. 2.,überarb.
Aufl. |
|
10. |
Was ist Was, Ritter. Band 88, 1990. |